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Expatrio in Dialogue with Michael Schumann

Admin 2024-02-16

Contents

In the third post of our series Expatrio in Dialogue we spoke with Michael Schumann, CEO of the Federal Association for Economic Development and Foreign Trade (Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Aussenwirtschaft - BWA) about the organization's role in Germany's economic scenario. The following article is both in German and English.

 

Check out the English version below

1. Herr Schumann, bitte erläutern Sie uns kurz, was den BWA innerhalb der deutschen Verbändelandschaft besonders macht.

M.S.: Der BWA vereint in seinen Strukturen, von den internationalen Wirtschaftsclubs bis hin zu seinem Senat, wirtschaftliche und soziale Kompetenzen, Dynamik und langjährige Erfahrung. Wir bieten unseren Mitgliedern ein exklusives Unternehmernetzwerk im In- und Ausland. Bei Empfängen, Seminaren und Delegationsreisen beraten wir sie mit Entscheidungsträgern aus Politik, Diplomatie und Verwaltung und knüpfen dabei wertvolle Kontakte. Im BWA verbinden wir lösungsorientierte Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Politik, Zivilgesellschaft und Medien. Wir denken konstruktiv und möchten Deutschlands Zukunft mitgestalten. Die wichtigen politischen Entscheidungsprozesse, von der kommunalen bis zur internationalen Ebene, haben wir dabei stets im Blick und vertreten unsere Interessen aktiv.
Wir stehen als BWA für ein besseres ordnungspolitisches Design, nämlich eine Ökosoziale Marktwirtschaft, die die besten Erfahrungen der Europäischen Union und ihrer Erweiterungsprozesse auf die globale Ebene ausdehnt. Wir haben das Ziel, gemeinsam mit unseren Mitgliedern dazu beizutragen, Deutschland und Europa im Sinne einer nachhaltigen marktwirtschaftlichen Entwicklung zukunftsfähig zu machen und dabei die friedliche internationale Verständigung zu fördern.

2. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung des Fachkräftemangels. Was sind die Antworten des BWA darauf?

M.S.: Der BWA hat sich seit vielen Jahre für ein Fachkräftegesetzt stark gemacht, diese Position des Verbandes reicht sehr lange zurück. Zahlreiche Studien belegen in jüngster Zeit die Notwendigkeit einer zielgerichteten und interessengeleiteten Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und Akademiker, insbesondere aus Nicht-EU-Staaten. Dies kann für uns nur bedeuten, unsere Mitgliedsunternehmen proaktiv bei der Suche nach geeignetem Personal zu unterstützen. Unsere internationalen Kontakte auf hoher Ebene leisten hierbei eine wichtige Hilfestellung. Deutschland muss als Einwanderungsland vom Verwalter zum Gestalter dieses Politikbereichs werden, was in den letzten Jahren vernachlässigt wurde. Im internationalen Wettbewerb müssen wir bürokratische Hürden bei der Einreise von qualifizierten Einwanderern minimieren und die Kriterien zur Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen transparent kommunizieren.

3. Wodurch ließen sich diese erwähnten Hürden abbauen?

M.S.: Wir müssen insbesondere die Chancen, die sich durch die digitale Entwicklung eröffnet haben, viel stärker nutzen. Heute ist es möglich, Nachweise für Antragsteller eines Visums digital auszustellen, wofür früher ein über Wochen dauernder Postverkehr notwendig war. Zum anderen denke ich, dass die Perspektiven für Hochqualifizierte jenseits von internationalen Großunternehmen aufgezeigt werden müssen. Die neue Generation zukünftiger Führungskräfte schaut nicht nur, ob das Gehalt stimmt. Vielmehr spielen heute Aspekte wie persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die gelebte Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle.

 

BWA logo

 

4. Deutschland ist bei der Beliebtheit von Studenten aus Nicht-EU-Ländern im europäischen Vergleich führend. Welche Perspektiven ergeben sich daraus für Unternehmen?

M.S.: Ein großer Anteil dieser Studenten kommt aus Ländern, zu denen wir als BWA sehr gute und langjährige Beziehungen pflegen. Das sind insbesondere die Volksrepublik China, die Russische Föderation, Indien und die Türkei. Für angehende Akademiker ist das vergleichsweise günstige Studium in Deutschland in Kombination mit den Möglichkeiten zum Sammeln von Praxiserfahrung und dem Aufbau beruflicher und persönlicher Netzwerke sehr attraktiv. Und nicht wenige der erfolgreichen Absolventen  sind offen für einen Berufseinstieg in Deutschland. An dieser Stelle besteht großes Potential für eine gezielte Vermittlung dieser Hochqualifizierten an Unternehmen, die teilweise händeringend nach geeigneten Leuten mit Fremdsprachenkenntnissen und internationaler Erfahrung suchen.

5. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund das Angebot an digitalen Dienstleistungen, wie Expatrio bereitstellt?

M.S.: Daraus ergibt sich für die Hochschulen und Unternehmen ein großes Potential, bürokratische Prozesse zu minimieren und „Smart“ zu gestalten. In der beschleunigten Welt des 21. Jahrhunderts ist dies ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Auch die Attraktivität Deutschlands im Ausland für geeignete Leute wird sich erhöhen, wenn diese sehen, dass sie und ihre Kenntnisse willkommen sind und sie sich auf dem Weg nach Deutschland nicht mit unnötigen Hindernissen konfrontiert sehen. 

6. Was sind Ihre Erwartungen an die Politik der Bundesregierung in Bezug auf diesen Themenkomplex?

M.S.: Bereits im Jahr 2015 hat sich der BWA gemeinsam mit der Allianz der Wirtschaftsverbände klar positioniert: Die Trennung von Asyl und Einwanderung ist ein zentraler Aspekt. Ersterer Bereich betrifft grundlegenden Menschenrechte sowie ein durch das Grundgesetz verbürgte Recht auf Asyl nach klaren Kriterien. Im zweiten Bereich muss Deutschland eine interessengeleitete Politik im Interesse des Mittelstandes und der Wirtschaft verfolgen. Wir brauchen eine schnellere Prüfung und Anerkennung von Abschlüssen und Qualifikationen aus dem Ausland. Auch den Ausbau von internationalen Hochschulkooperationen befürworten wir ausdrücklich. Ebenfalls wichtig ist die Förderung der Angebote zum Erlernen der deutschen Sprache bereits in den Herkunftsländern. Im Gesamten betrachtet sollten wir uns die Erfahrungen erfolgreicher Einwanderungsländer wie Kanada und Australien stärker zunutze machen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das ab dem kommenden Jahr in Kraft treten soll, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

7. Abschließend ein Ausblick auf die kommenden Aktivitäten des BWA im internationalen Bereich. Wo werden hier in nächster Zeit Ihre Schwerpunkte liegen?

M.S.: Wir möchten uns verstärkt mit der „One Belt – One Road“-Initiative, besser bekannt unter dem Namen „Neue Seidenstraße“, beschäftigen. Hier bestehen enorme Potentiale für unterschiedliche Branchen, gewinnbringende und langfristige Kooperationen mit Partnern in den Ländern entlang der Seidenstraße aufzubauen. Hierzu möchten wir mit unserer sehr erfolgreichen Reihe der Botschafter-Gespräche anknüpfen.

Das Gespräch führten Alexander Ruthemeier (Co-Founder) und Urs Unkauf (Director Public Affairs). Wir danken dem BWA und Herrn Michael Schumann sehr herzlich für den informativen Austausch und freuen uns auf dessen Fortsetzung.
 

BWA - Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Aussenwirtschaft

Check out BWA website for news and further information about the institution.

BWA

1. Mr. Schumann, please briefly explain us what makes the BWA special within the German association landscape.

M.S.: In BWA' structures, from the international business clubs to its Senate, BWA combines economic and social competence, dynamism and also many years of experience. We offer our members an exclusive network of entrepreneurs in Germany and abroad. At receptions, seminars and delegation trips, we advise them with decision-makers from politics, diplomacy and administration and establish valuable contacts. In BWA we connect solution-oriented people from economy, science, research, politics, civil society and media. We think constructively and want to help shape Germany's future. We always keep an eye on the important political decision-making processes, from the local to the international level, and actively represent our interests.

In BWA, we stand for a better regulatory design, namely an eco-social market economy that extends the best experiences of the European Union and its enlargement processes to the global level. Together with our members, we aim at contributing to make Germany and Europe fit for the future in terms of sustainable market economic development and also to promote peaceful international understanding in this process.

2. Small and medium-sized enterprises in particular face the challenge of the shortage of skilled workers. What are BWA's answers?

M.S.: BWA has been advocating a law for skilled workers for many years. This position of the association goes back a long time. Numerous studies have recently proven the necessity of a targeted and interest-led immigration of qualified workers and academics, especially from non-EU states. For us, this can only mean proactively supporting our member companies in their search for suitable personnel. Our international contacts at a high level provide important assistance in this regard. As a country of immigration, Germany must change from being an administrator to a designer of this policy area, which has been neglected in recent years. In international competition, we must minimize bureaucratic hurdles to the entry of qualified immigrants and transparently communicate the criteria for the recognition of qualifications acquired abroad.

3. How could these hurdles be overcome?

M.S.: In particular, we must make much greater use of the opportunities offered by the digital development. Today it is possible to issue digital proofs to visa applicants, which used to require weeks of postal traffic. On the other hand, I think that prospects for highly qualified people beyond large international companies must be pointed out. The new generation of future managers not only expects that salaries are in accordance to the market. Rather, they are aware of other aspects, such as personal development opportunities, the compatibility of family and career, or the corporate culture. All those factors play a decisive role today.

4. Germany leads the European comparison in the popularity of students from non-EU countries. What prospects does this open up for companies?

M.S.: A large proportion of these students come from countries with which BWA maintains very good and long-standing relationships. These are in particular the People's Republic of China, the Russian Federation, India and Turkey. For prospective academics, the comparatively inexpensive studies in Germany combined with the opportunities to gain practical experience and build professional and personal networks are very attractive. And quite a few of the successful graduates are open for a career start in Germany. At this point, there is great potential for a targeted placement of these highly qualified individuals in companies that are in some cases desperately looking for suitable people with foreign language skills and international experience.

5. Given this background, how do you assess the range of digital services provided by Expatrio?

M.S.: This offers a great potential for universities and companies to minimize bureaucratic processes and design "Smart". In the accelerated world of the 21st century, this is a significant competitive advantage. Germany's attractiveness abroad for suitable people will also increase if they see that they and their knowledge are welcome and that they are not confronted with unnecessary obstacles on their way to Germany.

6. What are your expectations of the Federal Government's policy on this issue?

M.S.: Already in 2015, BWA, together with the Alliance of Business Associations, has clearly positioned itself: the separation of asylum and immigration is a central aspect. The first area concerns fundamental human rights and a right to asylum guaranteed by the Basic Law according to clear criteria. In the second area, Germany must pursue an interest-led policy in the interests of small and medium-sized enterprises and business. We need faster examination and recognition of foreign qualifications. We also expressly support the expansion of international university cooperation. It is also important to promote German language learning opportunities in the countries of origin. Overall, we should make greater use of the experience of successful immigration countries such as Canada and Australia. The Immigration of Skilled Workers Act, which is to come into force next year, is a first step in the right direction.

7. Finally, an outlook on the upcoming activities of BWA in the international field. Where will your focus be in the near future?

M.S.: We would like to focus more on the "One Belt - One Road" initiative, better known as the "New Silk Road". Here there is enormous potential for different industries to establish profitable and long-term cooperation with partners in the countries along the Silk Road. To this end, we would like to build on our very successful series of Ambassadors' Talks.

The interview was conducted by Alexander Ruthemeier (Co-Founder) and Urs Unkauf (Director Public Affairs). We thank the BWA and Mr. Michael Schumann very much for the informative exchange and look forward to its continuation.

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